Warum Agilität keine Methode ist!

Fast jedes Unternehmen, insbesondere größere Unternehmen, investieren massiv in Innovation und schnelle Reaktionsfähigkeit. Die bestehenden klassischen und linearen Strukturen sollen durch Agilität aufgelöst werden. Aber ist Agilität eine Projektmanagementmethode, eine Softwareentwicklungsmethode oder eine Vorgehensweise zur Produktentwicklung?

Wenn ich als Coach die Kunden in agilen Transformationsprojekten unterstütze, erlebe ich sehr oft, dass Agilität als Methode verstanden wird.

Lasst uns zunächst festlegen, um was es sich bei einer Methode überhaupt handelt. Eine Methode ist ein mehr oder weniger planmäßiges Verfahren zur Erreichung eines Zieles.  Sie dient dazu, eine Arbeitsdomäne zu steuern (z.B. Softwareentwicklung). In einer Methode wird jeder Prozess in Form einer Reihe von Regeln definiert, die normalerweise so aussehen könnten:

  • Unter diesen Umständen mach dies oder das
  • Wenn dieser Punkt erreicht ist, folgt dieser Schritt
  • Der Input der Aktivität 1 ist „X“ und das Ergebnis ist „Y“

Wenn Methoden angewendet werden, werden die von der Methode beschriebenen Regeln und Prozesse befolgt. Methoden sind wissenschaftlich erprobt, daher ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die gewünschten Ergebnisse auch erreicht werden, und wenn nicht, könnte man den Misserfolg auf die Methode beziehen.

Im Gegensatz zu einer Methode, beinhaltet Agilität keine Regeln und Schritte. Agilität ist keine Methode, sondern eine Denkweise und Haltung, die auf Werten und Prinzipien basiert. Einer der wichtigsten Meilensteine der Agilität ist das agile Manifesto (www.agilemanifesto.org) das im Februar 2001 in Utah gelegt wurde. 17 renommierte Profis aus der Softwarebranche trafen sich im Snowbird-Skiresort in Utah. Sie waren die führenden Vertreter von Extreme Programming, Scrum und Adaptive Software Development und suchten nach kompatiblen Werten, die auf Vertrauen, Respekt und Zusammenarbeit basieren. Sie kamen zu der Erkenntnis: Nur wenn alle Beteiligten (Kunden, Entwickler, Lieferanten) in einem komplexen Umfeld gemeinsam an einem Strang ziehen, kann es gelingen, die Ziele zu erreichen und Mehrwert zu schaffen.

Beim „Agil sein“ geht es darum, wer wir sind!
Es hat mit unserer Wahrnehmung und mit unserer Unternehmenskultur zu tun.
Es geht um unsere Beziehungen zueinander, und darum, was wir schätzen und wie wir uns verhalten.
Es geht um den Mut, neue Dinge auszuprobieren.
Es geht um die Bereitschaft, auf Änderungen schnell reagieren zu können.
Es geht um Transparenz, um Inhalt und Ergebnisse und nicht um das Format.
Es geht darum, als Team Verantwortung zu übernehmen.

Bei einer agilen Transformation in einer Organisation ist es erfolgskritisch, auch die Strategien und Maßnahmen für eine Änderung in der Unternehmenskultur sowie der Denkweise und Einstellung der Menschen zu erarbeiten, als nur zu versuchen, die Prozesse zu optimieren.

 

Agile Prinzipien und Werte dienen als Entscheidungs- und Priorisierungshilfen. Sie schreiben jedoch nicht vor, wie man vorgehen muss. Erst durch ein Rahmenwerk (Framework) wie Scrum oder andere agile Frameworks (LESS, SAFe, Spotify etc.) und Praktiken, kann Agilität manifestiert und implementiert werden.

Die Werte und Prinzipien, die hinter Agilität stehen, sind nicht irgendwelche Floskeln oder leere Versprechungen. Sie wurden in der Businesswelt und der Industrie erprobt und haben sich bewährt. Agilität ist als Mindset die Antwort auf Bürokratie, starre Systeme und lahme hierarchische Strukturen.

Bisher wurde Agilität sehr oft von Unternehmen falsch verstanden und „eingeführt“, was zum Misserfolg führte. Einer der Hauptgründe dafür ist, dass Tools und Methoden aus agilen Frameworks vorgeschrieben wurden ohne die agilen Werte und Prinzipien sowie die Unternehmenskultur zu adressieren.

Wenn Agilität allerdings richtig verstanden und implementiert wird, können Unternehmen konsequent etwas großartiges liefern und Mehrwert schaffen.

 


Ein Artikel von Wolfgang Azadi. Unser Mitarbeiter ist agiler Coach und hat seine Erfahrung in SCRUM- und SAFe-Projekten als Scrum Master, Release Train Engineer oder als Agile Coach gesammelt und weitergegeben. In seinen Seminaren bildet er neue SAFE (Advanced) Scrum Master oder SAFE Product Owner / Product Manager aus.